Seit dem 20. März 2026 ist in der Kunsthalle die Ausstellung „HAAR MACHT LUST“ zu sehen – „Ein sinnlicher und überraschender Streifzug durch drei Jahrtausende Kunst – und Kulturgeschichte des Haars“ – wie es auf der Webseite der Kunsthalle München heißt.
Ich habe es mir nicht nehmen lassen, die Ausstellung in der ersten Woche zu besuchen, auch wenn ich im Vorfeld skeptisch war, ob mir eine Ausstellung, die alleine dem Thema Haare gewidmet ist, überhaupt gefällt.
Gleich im ersten Raum finden sich interessante Ausstellungsstücke zum Thema Barthaar. Bei der Fotografie „Polizeibeamter. Der Herr Wachtmeister“ von August Sander aus dem Jahr 1925, auf dem ein Polizeibeamter mit einem beachtlichen nach links und rechts abstehenden Schnurrbart abgebildet ist, stellt sich bei mir die Frage, wie der Herr damals in der Lage war zu trinken und zu essen, ohne dass alles in dem fast schulterbreiten Schnurrbart hängen geblieben ist.
Dank des Inhalts einer Vitrine, die sich in unmittelbarer Nähe der Fotografie befindet, erhalte ich zumindest was das Trinken angeht, eine Antwort: Hier werden drei Barttassen vom Ende des 19. Jahrhunderts ausgestellt, die den Schnurrbart-Trägern das Trinken erleichtern sollten.

Nicht weit von der Vitrine entfernt ist ein Gemälde aus dem Jahr 1583 des Malers Aert Pietrsz (1550 – 1612) ausgestellt, das den Waisenmeister von Edam, Pieter Diercksz (1528 – 1606), mit seinem angeblich etwa 2,50 Meter langen Bart zeigt. Diercksz präsentierte seinen Bart gegen Geld auf Jahrmärkten und spendete den Erlös dem Waisenhaus, was ihm zu mehr Ansehen verhalf und zu einem höheren Stand in der Gesellschaft – so die neben dem Gemälde gut leserlich platzierte Erklärung.
Da ich mich Ausstellungen am liebsten optisch nähere – also lesend und das Ausstellungsstück betrachtend – und nicht mit Hilfe eines Audio-Guides oder einer Führung, bin ich sehr angetan von den jeweils sehr interessanten Infotafeln, die zu jedem Ausstellungsstück bereitgestellt wurden. Überhaupt finde ich die Ausstellung sehr ansprechend und vielseitig gestaltet. Und obwohl zeitgleich mit meinem Besuch eine Führung stattfindet, hält sich die Geräuschkulisse in Grenzen, da die Teilnehmer der Führung Kopfhörer tragen und die Leiterin der Führung dadurch mit ruhiger Stimme spricht.
In einem kleinen Zwischenraum der Ausstellung erfährt man aus einer eher wissenschaftlichen Sicht etwas über Haare.
Ein anderer Raum widmet sich „Politischen Verwicklungen“. Hier befindet neben Antiken Abgüssen das bronzierte Terakotta Kunstwerk „Unendliches Profil – Kopf von Mussolini“ von Renato Bertelli (1900 – 1974) aus dem Jahr 1933, das Mussolini in abstrahierter Form mit Glatze darstellt.

Auf der gegenüberliegende Seite des gleichen Raumes wird ein Ausschnitt aus dem Film „Hair“ im Loop gezeigt sowie das bekannte Foto von Niko Koster aus dem Jahr 1969 „Hair Peace. Bed Peace“, das Yoko Ono und John Lennon während ihres ersten „Bed-in“ im Hilton in Amsterdam zeigt.
Im letzten Raum, der wie ein Friseursalon mit Spiegeln gestaltet ist, hat man die Möglichkeit, sich selbst digital zu frisieren – um auszusehen wie ein Troll oder sich zu fühlen wie Prinzessin Leia in „Star Wars“.
Ich habe mich für die zu meinem Haarton passende barocke Variante entschieden.
Lasst euch die Frühlingssonne auf die Nase scheinen.
Eure Esther

